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Wie man sich sattelt, so fährt man

Ok, ich gebe zu dieses Sprichwort heißt eigentlich anders. Doch der Sattel ist wirklich immens wichtig. In vielen der Zeitschriften liest man davon, wie wichtig der passende Sattel in Bezug auf Einssatzzweck und Sitzknochenabstand ist. Alles Dinge von denen ich am Anfang meiner Radfahrerkarriere vor einigen Jahren noch nichts wusste. Ebenso waren andere Dinge ein Fremdwort. Rahmenhöhe? Knielot? Position des Fußes auf dem Pedal? Kann man doch eigentlich alles beantworten mit dem Satz: Egal, Hauptsache man fährt vorwärts.

Die Rahmenhöhe wurde mit einer Sattelstütze angepasst, die dann eben so lang war wie das Rohr, in der sie steckte usw. Doch mühsam ernährt sich das Eichhörnchen und so musste der Originalsattel des Feinkost-Albrecht-Fahrrades weichen und ein neuer kam her. Wahrscheinlich würde ich den alten immer noch benutzen, wenn ich mir nicht nach einer Fahrt vorkäme wie Prinzessin Sissi auf einem Melkschemel.

Das Internet wurde also herangezogen und das Selbststudium in Sachen Sattel begann. Der Dammbereich muss entlastet werden, weil da ja so wichtige Nerven und Adern langlaufen, die einen Mann gar bis zur Zeugungsunfähigkeit bringen können. Das war der allgemeine Tenor, wenn es um einen eingeschlafenen Unterleib ging. Ich fand auch recht schnell einen Sattel, der in der Mitte eine Aussparung hatte und somit helfen sollte, den empfindlichen Teil zu entlasten. War eigentlich auch nicht schlecht. Aber eben nur eigentlich. Ich vermute, es lag immer noch an der Fehlanpassung der Breite des Sattels.

Trotzdem war der schon recht bequem und das Taubheitsgefühl trat sehr viel später ein. Auf meiner ersten größeren Tour in Richtung Ostfriesland bemerkte ich aber, dass es nach knapp 60km auf dem Rad ein wenig unbequem wurde. Trotz Hose mit Polstern usw. Das Resultat war öfters in den Wiegeschritt zu wechseln und den Po so zu entlasten. Naiv wie ich war, dachte ich das sei der Weisheit letzter Schluss. Klar hilft es kurzfristig, doch das Unbehagen kam wieder.

Da ich nun auf der Arbeit auch einen Kollegen habe der soviel mit dem Rad unterwegs ist und in meinen Augen jede Menge davon versteht, kam der Umschwung von eben beschriebenen Gelsattel auf einen Lederkernsattel. Horrorszenarien wie einfetten und hunderte Kilometer einfahren taten sich auf. Lange einfahren? Nicht sofort richtig nutzen? Oh, mein Gott. Das ist in der Regel nichts für mich.

Meine Wahl fiel auf den wohl standardigsten Standardsattel den es in der Lederkernsattelwelt gibt. Der B17 von Brooks. Allerding in der Ausführung „aged“. Aged bedeutet in dem Zusammenhang – für die, die es nicht wissen sollten – das der Sattel einfach schon ein wenig bearbeitet wurde. Das erspart die ganze Einfetterei, um das Leder etwas geschmeidiger zu machen. Gleichbedeutend ist aber auch nicht der Pflegeaufwand vom Tisch. Man fährt eben wie man sich sattelt.

Die hunderte Kilometer einfahren mussten aber gar nicht sein. Ich habe den Sattel montiert, bin in feinster KungFu-Manier aufgestiegen und war überrascht. Es war kein Stück unbequem. Im Gegenteil. Ich dachte in England hat jemand eine Schablone meines Hintern liegen gehabt und nur darauf gewartet, dass ich den Sattel kaufe.

Mein Fazit bisher: Keine Fehlinvestition. Auch bei einer Tour um die 55km – die längste bisher mit dem Sattel – fühlte ich mich pudelwohl. Es kommt zwar immer noch vor, dass ich mal kurz aus dem Sattel gehe, aber das hat eher nichts mit Unbehagen zu tun. Die Taubheit ist so gut wie verschwunden und es macht einfach Spaß, sich drauf zu setzen. So wurde doch aus der Prinzessin Sissi ein ganzer Ritter.

 

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