Tag 10: Von Remagen nach Düsseldorf

Da ist er, der vorletzte Tag des Abenteuers. Einmal vom Südosten der Republik in den Nordwesten. Abstecher nach Österreich. Alles dabei. Aber bis dahin ist ja noch etwas. Genau genommen ca. 100km. Es ist ein komisches Gefühl in ein Hotel einzuchecken, wenn man mit der Bahn in 90 Minuten zu Hause sein könnte. Aber das wäre ja geschummelt. Abgesehen davon, dass durch das Gewitter der Zugverkehr im Großraum Düsseldorf nahezu zum Erliegen gekommen ist. Doch nun zum heutigen Tag.

Spät eingeschlafen umso früher aufgestanden. Das trifft es mitten ins schwarze. Der Abend wurde wärmer und das Fenster zu öffnen, brachte demnach nicht den gewünschten Erfolg. Einmal nach links, einmal nach rechts. Je nach dem, welche Seite man gerade warm gelegen hat. Mit der Zeit gewann der Biorhythmus und der Schlaf wurde gefunden. Bis um 6 Uhr. Dann krachte es gewaltig. Endlich mein erstes Gewitter dachte ich bei mir. Vor allem war es das erste, das ich direkt am Rhein erlebte und dann auch noch etwas eingekeilt zwischen den Bergen. Ich überlegte, ob das schon ein neuer Donner war oder einfach nur der Hall, der aus den Bergen widerhallte. Imposant, was die Natur zu bieten hat.

Wo mir der nächste enorme Unterschied aufgefallen ist: Der Rhein, den ich nun auf einem Stück im mittleren Abschnitt begleitet habe, kann so vielfältig sein. In der Region um Bingen, Kaub usw wirkt er gefährlich und zerstörerisch. Die Berge haben sich ja nicht von alleine ausgedacht: “Hey, wir machen mal eben Platz“. Ein Stück weiter wo die Industrie beheimatet ist, spendet er vielen Menschen Arbeit. Am Niederrhein schmiegt er sich fast friedlich in die Umgebung ein und gleitet sachte daher im Einklang mit der Vegetation links und rechts.

Wo wir bei Industrie wären. Wer noch den Rheinradweg fahren sollte und die Ford-Werke sieht: Freut euch. Ich meinte zwar in einem Roadbook gelesen zu haben, dass die Werke schwer zu umfahren seien. Aber das hat mich dann echt aus den Socken gehauen. Auch die zunehmende Flut an Informationen. Sicherlich kann es nicht schaden, wenn jede Richtung ausgeschildert wird. Aber drei mal den Rheinradweg auf Hinweisschildern zu sehen hat selbst mich überfordert.

So kam es das ich durch die traditionsreiche Stadt namens Leverkusen gefahren bin. Dass die Tour länger wurde als geplant war mir von vornherein klar. Ich wollte noch ein wenig dem Rhein folgen. Es gelang mir. Das schöne daran war der Geruch. Es roch als würden heute Fischstäbchen gepresst werden. Doch bevor man Leverkusen erreicht muss man mal durch Köln durch. Mein Fußballherz wollte diesen Punkt umgehen, aber es hilft alles nichts. Die Stadt ist existent und ich kam durch. Ein wenig wuselig war es schon und durch die ganzen Touristen wurde es nicht so leicht, den passenden Weg zu finden. Aber alle arrangierten sich und auch die gemeinsam genutzten Rad- und Fußwege waren ein Traum.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den ich auf meiner Fahrt entlang des Rheines gesehen habe, ist die Notwendigkeit von Fähren. Es gibt kaum Brücken aber zig Personen und Fahrzeugfähren. Sie halten die sozialen Kontake auf beiden Seiten aufrecht und sind ein wirtschaftlicher Faktor, der nicht zu vernachlässigen ist. Ich kann mir auch vorstellen dass es CO² einspart. Da möchte ich mich nicht drauf festlegen.

Mittlerweile in Düsseldorf angekommen wurde mir erst das Ausmaß gewahr, von dem was ich in den Nachrichten gesehen habe. Die Bilder in den Nachrichten zu sehen ist was anderes, als es selber zu sehen und zu durchfahren. Überall liegen herabgefallene Äste und Bäume, die gar ganze Gehsteigstücke mit umgeworfen haben. Von diesen Sachen habe ich keine Bilder gemacht. Die Reise soll ja in einer guten Erinnerung bleiben und obwohl es heißt: “Wer den Schaden hat… “, möchte ich einfach nicht auch noch den Schaden der Menschen ausnutzen.

Distanz: 116.06 km
Maximale Höhe: 85 m
Minimale Höhe: -62 m
Gesamtanstieg: 345 m
Gesamtabstieg: -390 m
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.98 km/h
Total Time: 09:41:02

 

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