Tag 4: Von Mühldorf nach Ingolstadt

Liebe Leute, gebt fein Acht, ich hab euch etwas mitgebracht. Tag drei der eigens auferlegten Bayernrundfahrt ist Geschichte. Es sollte ein grandioser Tag werden, ein Tag der Geschwindigkeit, des leichten Dahingleitens und es wurde… bergig.

Normal dachte ich am ersten Tag, dass ich das Schlimmste hinter mir habe. Was sollte noch schlimmer werden als in die Voralpen? Somit nahm ich mir heute ein Ziel von knappen 120km vor. Da mein Garmin und ich im Moment aneinander vorbei sprechen wurden es 138km. Der Grund war ebenso simpel wie menschlich: Einen Teil der Strecke hatte ich schon gelöscht. Nun muss man abernoch irgendwie aus Mühldorf wieder raus. Somit kurzer Hand ein Ziel eingegeben, das in der Nähe des Startes lag. In greifbarer Nähe zum virtuellen Fähnchen ließ ich die programmierte Strecke berechnen. Zu meinem Nachteil.

In aller Euphorie über die ersten Höhenmeter des Tages, die meinem Hinterrad mehr Gummi abverlangten als dem Vorderrad, stellte ich fest, dass ich eine Straße übersehen habe in die ich hätte abbiegen müssen. Das Navi als solches nicht dumm, rechnet neu. Rechnet und rechnet und haut gemütliche 16km oben drauf. Gute Laune machte sich breit und mein innerer Schweinehund sagte: “Alles wird gut. Es ist ein Rechenfehler.“ Falsch. Es wurden 16km mehr die über eine Wellenlandschaft gingen, wogegen die Alpen ein Dreck sind. Kontinuierlich bergauf, ab und zu bergab. Zwar schnell, aber kurz. Da hat jemand in Niederbayern nicht mitbekommen, dass die Berge da aufhören sollten. Das ganze Spiel zog sich bis Landshut. Meine berechnete Ankunftszeit konnte ich vergessen.

„Nicht aufregen, es ist Urlaub.“ Das war ab sofort meine Devise. Das Hotel war dank einer Kreditkarte, die eh nicht belastet werden kann, gebucht und somit konnte nichts schief gehen. Gute Läden findet man in den Seitenstraßen und so fand ich einen Italiener, der dieses Prädikat redlich verdiente. Mit meinem rudimentär italienisch bekam ich zumindest meinen Durst gestillt. Ich hätte ihn besser beschimpfen können als Essen bestellen. Es kam dann aber der dreisprachige Inhaber. Deutsch, bayerisch und italienisch. Tagliatelle mit Steinpilzen sollten es sein. Ich kann sagen: Ein Traum. Lecker und die Vorspeise die gereicht wurde war nicht einfach so dahin geschmissen. Auf den Teller kam Öl, Salz nach Belieben und Brot aus einer Tüte, die am Tisch aufgerissen wurde. Das sei der Brauch aus der Region. Wirklich empfehlenswert. Wenn ich den Kassenbon finde werde ich mich melden.

Frisch gestärkt und mit Kohlenhydraten, die sich in den Muskeln breitmachten ging es weiter. Schön flach durch Landshut, entlang einer alten Bahnstrecke. Wunderbar. So war der Zeitplan vielleicht doch zu halten. Pustekuchen. Wer kennt die Hallertau? Da wo die ganzen Hopfen wachsen? Ich kenne sie mittlerweile. Ein Traum, weite Aussichten, Hopfen satt. Wenn man mit einem Auto hinauffährt oder ein E-Bike besitzt. Abhängig von Route bitte zwei Ersatzakkus mitnehmen. Wie dem Höhendiagramm zu entnehmen: Es ging auf, auf, auffer, noch mehr auffer. Doch dann hatten die Hopfen ein Ende. Es folgte eine schöne lange Abfahrt und es wurde eben schön.

Kurz vor Ingolstadt musste ich staunen. Die haben hier einen eigenen Flughafen? Ähnlich wie in Weeze? Ne, größer und da steht Airbus an den Wegschildern. Das veranlasste mich im Wikipedia zu schauen. Erstmal nichts gefunden. Dann doch die Homepage entdeckt. Es sieht aus, als würde kein regulärer Flugbetrieb in dem Sinne vorhanden sein. Viel mehr Privatflieger und Militär. Auf jeden Fall nicht schlecht.

Nun sitze ich hier an meinem Ziel. Hab im Hotel Anker eingecheckt, aber keiner konnte was mit „Moin“ anfangen. Fahrrad verstaut. Beitrag fast fertig. Aber nur fast. Der Grund warum ich nichts vom Frühstück schrieb ist einfach: Da rechnet jeder am Anfang mit und es war der Rede nicht wert. Es hat zwar satt gemacht, aber das bekommt so manche Penison besser hin. Klagen auf hohem Niveau. Immerhin haben wir was zum Essen. Ach ja und ich kam ins Gespräch mit einem Holzhändler aus… hab ich vergessen. Dieser kennt Kleve vom hiesigen, großen Holzfachmarkt. Klein ist die Welt.

Gefahrene Route:

Mühldorf am Inn – Vilsbiburg – Landshut – Mainburg – Ingolstadt

Distanz: 135.3 km
Maximale Höhe: 507 m
Minimale Höhe: 366 m
Gesamtanstieg: 874 m
Gesamtabstieg: -892 m
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17.98 km/h
Total Time: 10:33:23

 

Mühldorf - Ingolstadt

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