Mit dem Rad im Sauerland: Der Möhneradweg

Ein sonniger frühlingshafter Tag. Genau das passende Wetter, um sich aufzumachen und zu einer Tagestour zu starten. Die Verpflegung wird vorbereitet, geschaut, ob das Navi genug geladen ist, Luftdruck prüfen, Taschen anbringen und dann kann es auch schon los gehen.

Die ersten 500m waren im Nachhinein betrachtet die einfachsten, es war der Weg von der Wohnung zum Bahnhof. Nicht zu vernachlässigen ist der ganze Reiseverkehr zum Start der Osterferien. Dieser hielt sich glücklicherweise am Startpunkt Kleve noch in Grenzen. Das Fahrrad bekam noch einen Platz und so ging es die ersten 60 Minuten in Richtung Krefeld.

In Goch stieg dann ein älteres Ehepaar ebenfalls mit Rad zu, was sich dann einen Sitzplatz etwas entfernter des Stellplatzes suchte. Ich denke, wenn sie vorher gewusst hätten, dass sie sich bei dem zusteigenden Fahrgast aufrichten werden um zu sehen, ob auch ja keiner was an dem Rad macht, wären sie in der Nähe sitzengeblieben. Dabei ist es recht schwer, mit einem Rad aus einem fahrenden Zug zu flüchten.

In Krefeld angekommen blieb genug Zeit, um den nächsten Zug in Richtung Dortmund zu bekommen. Vorteilhaft wären hier Streckenkenntnisse. Vor allem was die Querbeschleunigung angeht. Nach zwei Reflexen, die einem Torwart ebenbürtig waren, verhinderte ich den Sturz des Velo und stellte es auf die andere Seite. Alles wurde gut.

Irgendwann, nach weiterem Umsteigen in Schwerte (Ruhr) angekommen, machte sich das Tor zum Sauerland schon bemerkt. Jede Menge Tüten günstiger Einkaufsmärkte voll mit Bier und Spirituosen, getragen von mehr oder weniger alkoholisierten Menschen und lauten Radios mit irgendwelchen Schlagern, machten auf sich aufmerksam. Die Fahrt in Richtung Brilon kann ich E-Bike-Fahrern fast nur empfehlen, wenn man zu zweit ist. Es fahren ältere Gespanne der DB Regio, wo man das Velo über einen sehr hohen Höhenunterschied zum Einsteigen bringen muss. Ebenso beim Aussteigen.

Am Beinahe-Ziel angekommen empfingen mich wärmende Sonnenstrahlen, die aber nur im Stand wirklich wärmten. Ich entschied mich für die Haltestelle Brilon-Wald, um meine Möhneseerunde zu starten. Ich entschied mich für die Panoramaoption, um auch einige Bilder zu machen und nicht nur hinabzurollen. Verlässt man den Bahnhof und fährt direkt links die Straße zur Schützenhalle empor, bekommt man schon einen kleinen Geschmack auf die tolle Aussicht und die Natur in der man sich die nächsten Stunden per Muskelkraft bewegen wird.

Durch die Abwandlung des Startpunktes hieß es nun den Anfang der Route zu finden. Und hier tun sich dann auch schon einige seltsame Dinge auf, die auch mein Rad nicht ganz schandesfrei ließen. Anfänglich folgt man einfach der Beschilderung nach Brilon und sollte tunlichst den Pfeilen des Radwegenetzes folgen. Ich tat es nicht und folgte der Bundesstraße, bis ich an einen Punkt ankam, wo mich Verkehrsschilder auf einen Radweg zwangen der ca 30m lang ist. Durch das abfallende Gelände baute sich schon ein wenig Geschwindigkeit auf, die abrupt gesenkt werden musste als altes Kopfsteinpflaster zum Vorschein kam und ein Gatter mit der Aufschrift: “Privatgrundstück. Keine Durchfahrtmöglichkeit“.

Hat man Brilon dann einmal hinter sich gelassen, taucht man ein in eine Welt voller Natur, Bergen und Tierwelt. Der kleine Fluss Möhne begleitet einen dabei entweder links oder rechts, doch ist er immer in der Nähe. An einigen Stellen ist zu erkennen, dass der Flusslauf etwas renaturiert werden soll. Es werden mehrere Kurven eingebaut, um wohl einen natürlichen Bachverlauf nachzugestalten.

Der Weg führt an einer Bundesstraße lang, wobei der Radweg eine gute Qualität hat und auch weit genug von der Straße entfernt ist. Gerade am Wochenende und in der Zeit, in der es wärmer wird, hat man weniger mit LKW zu tun, sondern Motorradfahrer sausen an einem vorbei. Die Option der Panormaroute zwingt uns dazu, den ansonsten schon recht passablen ausgeschilderten Weg zu verlassen und einige Feldwege zu befahren. Es ist jedoch ratsam, eine etwas breitere Bereifung zu nutzen und Wechselkleidung bei sich zu führen. Wenn es vorher lange Zeit nass war, gleichen manche Wegen einer wahren Schlammpfütze, die mich auch zwang umzukehren. Ansonsten hält der Name was er verspricht. Es sind zwar einige Höhenmeter zu bezwingen – und gerade am Ende der Tour kommen noch einige Steigungen, die es in sich haben – dennoch ist es jeden Meter davon wert. Das Panorama ist wirklich toll.

Doch nicht nur Wald gibt es zu sehen. Auch zwei alte Waggons aus längst vergessener Zeit säumen den Weg. Einer davon ein alter Schlafwagen, der nostalgische Erinnerungen erwachen lässt. Wer einen Blick in das innere riskieren möchte, der muss zwischen Mai und September fahren und dann auch einen schönen Sonntag erwischen. Natürlich öffnet man auch auf Anfrage. Mehr Informationen zu diesem tollen touristischen Objekt findet man auf der Seite von Sichtigvor.

Etwas abseits von der eigentlich Route befindet sich die Stadt Warstein. Unschwer zu erkennen, dass hier wohl Bier gebraut wird. Wer sich für den Weg zum Möhnesee etwas regenieren möchte und dabei noch etwas lernen will, dem sei die Warsteiner Welt empfohlen. Aber Vorsicht: Wenn Bier, dann nur ohne Alkkohol.

Dann plötzlich ist es soweit und wie aus dem Nichts macht die Kreisstraße 8 einen Blick und man befindet sich am Ufer des Möhnesees. Wenn auch schon vorher viele Motorräder verrieten, dass es der richtige Weg sein muss, ist es nun auch zu sehen. Bei mittlerer Geschwindigkeit gleitet man dahin und staunt was aus einem kleinen Bach so alles werden kann. Zur Einkehr gibt es entlang des Sees genug Möglichkeiten. Gespickt von Biker Inns und Grillhütten, bis zum Restaurant findet sich alles, wonach das Herz begehrt. Besonders empfehlenswert sind die Holzschaukeln am Ufer. Hier kann man einfach mal die Seele baumeln lassen und den Blick übers Wasser genießen.

Eine Brücke ist es, die uns auf die andere Seite des Sees bringt. Man biegt ab und fährt einige Höhenmeter hinauf, um ein weiteres Mal das wunderbare Panorama zu genießen. Doch Vorsicht: Nicht die Kehrtwende vergessen. Sonst werden mehr Höhenmeter absolviert, als dem ein oder anderen recht sein mag.

Nun geht es einige Kilometer am Südufer entlang, vorbei an Yachtclubs und Bootsverleihen, durch Waldabschnitte hin zur Möhneseesperre. Ein sehr imposantes Gebäude. Wenn man sich alleine schon vorstellt, welche Wassermassen zurückgehalten werden und was das für ein enormer Druck ist. Einfach Imposant. Verlässt man die Sperre und fährt seinen Weg weiter, werden einige kleinere Ortschaften passiert, die mit ihrem Charme und den schön gebauten Kirchen und Gebäuden grüßen.

Gerade das Bergauf kann nach gut 85km dann doch schon recht schwierig werden, aber der Ausblick entlohnt jedes Mal. Auf dem Weg nach Neheim-Hüsten, dem Ziel der Fahrt, kreuzt man den Ruhrtalweg. Wer möchte kann auf diesem bleiben oder beendet seine Tour durch einen Teil des Sauerlandes und fährt mit der Bahn wieder heim.

Mein Fazit: Ein gelungener Weg mit vielen schönen Aussichten und imposanten Gebäuden. Manchmal etwas steil in der Steigung, doch dafür gibt’s auch rasante Abfahrten. Ein gutes Rad mit normaler Übersetzung sollte dem Geübten wohl reichen. Wer es auf Höhenmeter abgesehen hat kann die Tour auch entgegengesetzt fahren. Jedoch kommt das vermeintliche Highlight dann schon recht früh.

Distanz: 89.98 km
Maximale Höhe: 510 m
Minimale Höhe: 144 m
Gesamtanstieg: 1168 m
Gesamtabstieg: -1458 m
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.94 km/h
Total Time: 06:28:37

 

One Response to “Mit dem Rad im Sauerland: Der Möhneradweg”

  1. Klaus Lüttgen

    Dankeschön für die Informationen, guter Bericht!

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