ADFC Sternfahrt 2015 oder das Problem mit den Prozenten

70% Regenwahrscheinlichkeit sind mehr als 50 aber auch weniger als 100. Dass die 70 in der Skala bis 100 eher am oberen Ende angesiedelt ist, lassen wir außen vor. Zumindest dann, wenn es darum geht, sich nicht einzugestehen das es ein Fehler war nicht die Regensachen einzupacken. Doch der Reihe nach.

Der morgen fing gut an. Idealerweise, wie zu dieser Zeit üblich und als deutliches Zeichen, dass die Welt noch nicht untergegangen ist, begrüßte mich die Sonne durch ein dünnes Feld von Wolken. Was soll da schon schief gehen schießt es einem durch den Kopf. Die Überlegungen liefen bis kurz vor dem Start in Richtung Düsseldorf auseinander. Die eine Hälfte in mir sagte »Nimm die Bahn«, 25% wollten, dass ich direkt mit dem Rad dorthin fahre und die anderen 40% rieten mir einen gemütlichen Tag auf dem Sofa zu machen. Rechnet man alles zusammen, sind also 75% für die Tour und nur 40% dagegen. Die Sache is gebongt. Das zweite Jahr nacheinander werde ich demnach an der Sternfahrt in und nach Düsseldorf teilnehmen. Moment, nach? Verdammt. Da hat sich das Viertel des Ganzen durchgesetzt. Es hat Luft geschnuppert, die Oberhand gewinnen zu können. Aus dem Viertel des Ganzen wurde ja immerhin schnell 50% der Entscheidung. Auch eine rege Diskussion mit meinem Gewissen, ob des fehlenden Trainings entschieden mich nicht mehr um. Was muss, das muss. Et hat schon immer gut gegangen usw.

Ausgerüstet mit 400g Gramm Quark, einer ungezählten Portion Müsli und 4 Scheiben Toast im Bauch ging es dann in und auf den Sattel. Die ersten Kilometer ließen sich gut fahren. Die neue Errungenschaft der App »Komoot« machten sich positiv bemerkbar. Bisher hab ich mir den Weg mit einem Garmin zeigen lassen. Der Vorteil des Garmins liegt dagegen ganz klar in Sachen Stromversorgung. Der Nabendynamo schafft es leider eben doch nur die Ladung eines S4 aufrechtzuerhalten. Die Navigation lief super, dank Sprachausgabe brauchte man den Bildschirm gar nicht zu aktivieren. Negativ muss ich anmerken, dass es bei kurz aufeinanderfolgenden Abbiegehinweisen dennoch Probleme geben kann. Ob es nun an der GPS Genauigkeit liegt oder an der Geschwindigkeit wie das Smartphone die Hinweise verarbeitet kann ich nicht beurteilen.


Ich glitt also, einsam und verlassen, über die Radwege des Niederrhein in Richtung Düsseldorf. Das Wetter war toll, nicht zu warm und dann wurde es 10 Uhr. Um 10 Uhr dachten sich die 70% nun zeigen wir es dem Mal. Die Wolken die mir eben noch die Sonne vom Pelz hielten beschlossen, mir nun den ein oder anderen Liter auf den Kopf schütten zu wollen. Doch sie machten die Rechnung nicht mit der Brücke der A40 die mir für gut 90 Minuten Unterschlupf bot. Ein kurzer Check mit der Wetter-App und ich wusste, dass es es gegen 11:20 weiter gehen wird. Und genauso war es auch. Nach einer kleinen Lehrstunde, polnisch, rumänischer Reparaturkunst eines Verbrennungsmotors, ging es auch schon weiter. Ach ja. Die Kunst liegt darin zu wissen, wo und wie man am besten rumdängelt und wackelt. Aber im Endeffekt lief der Motor wieder rund.

14 Uhr war der Start am Burgplatz in Düsseldorf. Anders als im letzten Jahr also nicht von der Kö. Was wohl dem zeitgleich stattfindenden Bücherbummel geschuldet war. Punkt 13:45 traf ich ein, konnte etwas regenerieren und dann ging es auch schon los auf die 23KM quer durch die schöne Stadt, die Heimat des besten Fußballvereins und des ordentlichen Bieres. An den anderen Sammelpunkten in der Stadt stießen immer mehr Radfahrer zu uns und spätestens am Oberbilkermarkt war dann das Feld komplett. Eine Traube von Radfahrern zog sich wie ein Wurm durch die Stadt. Zugegeben zum Unmut des einen oder anderen Fußgängers oder Autofahrers. Aber zumindest die letzteren waren Hauptbestandteil des Mottos. Vorbei am Stau. Allerdings sollte man vielleicht bei der nächsten Sternfahrt Zettel verteilen auf denen steht, warum in der Masse rote Ampeln etc. nicht von Bedeutung sind. Highlight war, wie im Jahr zuvor, die Durchfahrt durch den Tunnel. Nicht zu verachten auch die 4 Überquerungen der Rheinbrücken. Ein entgegenkommen der Polizei, die wegen oben genannten Bücherbummels, die Route etwas abänderte. Bleibt zu sagen. Toll wie immer. Schöne Tour, nette Menschen und im nächsten Jahr werde ich sicherlich auch die Prozentrechnung beherrschen.

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